DSDS: Von Käfigen und Sitzmobiliar oder Kann man auch die Jury rauswählen?

06 04 2009

Mottoshow 4, sexy Songs standen auf dem Programm, wenngleich der Show ihr Motto nur bei wenigen Auftritten anzumerken war. Doch wie auch in den Wochen davor, scheint in dieser Staffel die Einhaltung des Mottos sowieso nur unter ferner liefen geführt zu werden. Davon einmal abgesehen hatte die Show aber durchaus etwas zu bieten, insbesondere einen krönenden Abschluss in der Entscheidungsshow. Endlich, endlich, werden sich viele DSDS-Zuschauer nach der dieswöchigen Mottoshow gesagt haben, endlich dürfen wir aufatmen, endlich können unsere Gehörgänge angstfrei in die Samstage gehen. Vor Freude hüpfte ich aus dem Wohnzimmersessel, denn Holger Göpfert hat das letzte Mal bei DSDS ein Lied malträtiert, er muss nun seine Koffer packen und die Kandidatenvilla verlassen. Seine Version von Marvin Gayes „Still got the blues“ trieb mir beinahe die Tränen in die Augen und wie ihr euch sicher denken könnt, hatte das so gar nichts mit aufkommender Rührung zu tun, sondern eher mit über Gebühr strapazierten Ohren. Holgers Rausschmiss war mehr als überfällig, im Grunde wartete ich seit den Castings darauf, und wartete und wartete und wartete... Schöner konnte die „Sexy Songs“ -Show also in meinen Augen gar nicht enden!

Doch zurück auf Anfang. Den Auftakt machte ein in einen langen Leopardenmantel gehüllter Benny, der seinen Auftritt mit der jugendfreien Version von „Don’t cha“, ganz Pussycat-like, in einem Käfig absolvierte. Das Motto war damit wohl mehr als getroffen und ich muss sagen, Herr Kieckhäben schlug sich wirklich nicht schlecht. Belohnt wurde er mit einem handzahmen Dieter Bohlen, bei dem sich der Paradiesvogel – oder vielmehr die Paradiesraubkatze - für das erhaltene Lob sogleich mit einem Schmatzer bedankte.

Ebenfalls sehr mottogerecht war der Auftritt von Annemarie, die sich im Moulin Rouge-Stil in Corsage und Strapse auf einer roten Chaiselongue räkelte und „Voulez-vous coucher avec moi?“ ins Mikrofon fragte. Sonst vor allem durch medienwirksame Fotoshootings und Zickenkriegschlagzeilen bekannt, konnte Annemarie diesmal auch auf der Bühne abliefern. Gesanglich war ich durchaus überrascht, denn sie meisterte den Song entgegen meiner Erwartungen ordentlich, auch wenn die Jury das ganz anders sah.

Vanessas englische Premiere mit ihrem „Boogie-Roogie“ und charmanter Flirterei im Stile der 60er Jahre passte durchaus zum Motto, leider trällerte Miss Neigert ihren Titel so schief, dass Dieter Bohlens Hörvermögen schwer gelitten haben muss. Er bescheinigte ihr tatsächlich alle Töne getroffen zu haben, obwohl sie so viele, wie nie zuvor, versemmelte. Doch die Jury übertraf sich den gesamten Abend mit einem Fehlurteil nach dem anderen.

Dominik Büchele trat zwar keineswegs mottogerecht auf, allerdings wüsste ich auch nicht, wie der Junge einen „sexy“ Auftritt hätte hinlegen sollen, ohne dabei zur Lachnummer zu werden. Er sang sein „Sunday Morning“ sehr gut und steigerte sich im Gegensatz zur letzten Woche immens. Die Jury aber zerlegte den jungen Sänger dermaßen, dass man hätte glauben können Dominik habe gerade einen Titel von dem für ihn streng verbotenen James Blunt vorgetragen. Wann genau beschlossen wurde, dass man für einen guten Auftritt irgendwelches Mobiliar mit auf die Bühne schleppen sollte oder dass man am besten nie mehr singt, wenn man eine Stimmfarbe hat, die gewisse Ähnlichkeiten zu einem im Musikgeschäft bereits existierenden Sänger aufweist, hab ich wohl verpasst. Nina setzte der Farce dann schlussendlich noch die Krone auf, als sie Dominik als Schlechtesten des Abends auswählte. Ich wiederhole meinen Appell von letzter Woche: Nina sollte umschulen und statt der Jurorentätigkeit besser ins Styling wechseln und dort ihre „Fachkompetenz“ nutzen.

Auch Daniels Auftritt konnte man nicht wirklich „sexy“ nennen, obwohl der Song „Sexual healing“alle Möglichkeiten geboten hätte, doch die Kandidaten mit sehr guter Stimme sollten meiner Meinung nach ihren Auftritten auch keine Albernheiten hinzufügen. Deshalb begrüße ich das Understatement an dieser Stelle. Dennoch schien der Song Daniel genauso wenig zu gefallen, wie mir, denn er bereitete ihm anscheinend einige Probleme. An die Leistung der letzten Woche konnte der Sänger nicht heranreichen, dennoch gehörte er auch in dieser Show zur Spitzengruppe.

Den besten Auftritt des Abends lieferte diesmal Sarah ab, wenngleich man ihr alle Bonuspunkte wieder wegnehmen müsste, wegen des am wenigsten zum Motto passenden Titels. Die Schmachtballade „The trouble with love is“ ist in etwa so sexy, wie Dieter Bohlen, aber Sarah sang sehr gut und diesmal sogar mit einer Portion Gefühl in der Stimme. Sollte dies etwa Bruce Darnells Zauberkunst gewesen sein? Ich hoffe, Sarah hält das Niveau und kann in den nächsten Mottoshows auch noch ein wenig mehr „Drama, Baby“ auf die Bühne bringen.

Das große Fazit der Show dürfte sein: diejenigen, die mit einer sehr guten Stimme gesegnet sind, glänzen, auch ohne viel Show. Die Anderen müssen sich eben anderweitig in Zeug legen, um mithalten zu können. Die Jury glänzt mit Unsachlichkeit und Willkür,trotzdem ist am Schluß der Richtige rausgewählt worden, was für die Zukunft hoffen lässt.
Mal sehen, welchem Motto wir nächste Woche lauschen dürfen: wie wäre es mit „Jury’s choice“, dann können Dieter und co ihren Schäfchen selbst ein Liedchen suchen und müssen sich nicht über die Songwahl ärgern ;-)

Bookmark DSDS: Von Käfigen und Sitzmobiliar oder Kann man auch die Jury rauswählen?   at del.icio.us Digg DSDS: Von Käfigen und Sitzmobiliar oder Kann man auch die Jury rauswählen?  Mixx DSDS: Von Käfigen und Sitzmobiliar oder Kann man auch die Jury rauswählen?  Bloglines DSDS: Von Käfigen und Sitzmobiliar oder Kann man auch die Jury rauswählen?  Technorati DSDS: Von Käfigen und Sitzmobiliar oder Kann man auch die Jury rauswählen?  Bookmark DSDS: Von Käfigen und Sitzmobiliar oder Kann man auch die Jury rauswählen?   at YahooMyWeb wong it!

Trackbacks


Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
06 04 2009
#1 tsts (Antwort)

Gut geschrieben, feinstens beobachtet, objektiv geblieben. Verstehe zwar jeden, der bei dem Abend aus der Fassung gerät, aber so liest es sich sehr löblich. Weiter so!
06 04 2009
#2 Johnny (Antwort)

Tja, so unterschiedlich können Wahrnehmungen sein. Ich drücke Sarah eigentlich auch immer die Daumen, weil sie eingentlich gesanglich die beste im verbliebenen Teilnehmerfeld ist, aber ich fand, ihr Auftritt am Samstag war schwächer als alle anderen vorhergegangenen.

Sie hatte stimmlich große Probleme mit dem Lied, es war klar zu hören, dass die Schuhe von Kelly Clarkson ihr 1-2 Nummern zu groß sind. Auch fand ich ihren Auftritt sehr blutleer und ihre Bemühungen, nach dem Training mit Bruce ein wenig mehr Gefühl und Emotionen zu tansportieren, wirkten aufgesetzt und gekünstelt.

Es ist schade, dass hier versucht wird, einen Menschen dazu zu bringen, sich zu verbiegen und in eine Rolle - die der Diva - zu drängen, der sie nicht gerecht werden kann, weil es ihrem Naturell nicht entspricht.

RTL täte gut daran, die Kandidaten nicht zwanghaft in eine Schablone zu pressen.
06 04 2009
#3 Derb Schullze (Antwort)

Na dazu hat der ossi auch eine Menge zu sagen.
Eine etwas andere Rezension.

http://www.vollossi.de/2009/04/04/der-ossi-in-geheimer-mission-dsds-wird-auslaufen/
06 04 2009
#4 bullmoose (Antwort)

Seit wann ist "Still Got The Blues" von Marvin Gaye. Der hat "Sexual Healing" den Song von Daniel gesungen. Holgers Song ist von Gary Moore!

Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA