DSDS: Zwischen Zickenzoff und Kuppelshow

08 03 2009
Unverhofft, kommt oft. Wer hätte gedacht, dass kurz vor der ersten Mottoshow die Karten nochmal neu gemischt werden. Der überraschende Ausstieg von Vanessa Civiello am Abend vor der Greatest Hits-Show nahm teilweise Einfluss auf die Auftritte und Erfolgschancen der einzelnen Kandidaten - bei einigen positiv, bei anderen negativ.

Der "Zickenkrieg" über angeblichen Ideenklau überschattete die Show und schien nur der Tropfen gewesen zu sein, der das Fass der geheuchelten Harmonie zum Überlaufen gebracht hatte. An allen Ecken und Enden der Show wurde verbal geschossen, die Einzelkämpfermentalität war nie so stark im Vordergrund, wie in dieser Staffel. Dem aufmerksamen Zuschauer wird nicht entgangen sein, dass eine weniger harmonische, dafür deutlich konkurrenzkampforientiertere Haltung der Kandidaten zueinander ausdrücklich von einem Mann gewünscht war, dessen Einfluss auf den Showverlauf unbestritten ist. Was Dieter wünscht, wird erfüllt - und wenn es zickende Mädchen sind.

Zurück zum Ausgangsstreitpunkt. Vanessa C. begründete ihren Ausstieg mit zu hoher Druckbelastung für sie und zu starkem Konkurrenzkampf zwischen den Kandidaten, bei dem einige sogar "über Leichen gehen" würden. Wer nun wessen Idee geklaut hat und warum man sich überhaupt darüber streitet, wer sich nun auf der Bühne seiner Kleider entledigen darf, muss offen bleiben. Fest steht, Blondine Annemarie hat sich mit ihrem kleinen Striptease auf der Bühne selbst in eine Schublade gesteckt und "Sex sells"-Bekräftigungen ihrerseits, führen sie wohl trotzdem nicht näher an den Superstartitel heran, sondern geradewegs in eine künftige Ausgabe des Playboy. Fest steht aber auch, dass sich Fräulein Zahnpastalächeln Vanessa C. mit einem Auftritt, bei dem sie sich die Kleider vom Leibe gerissen hätte zwar vielleicht ein paar männlicher, im Geiste ähnlich wie Volker Neumüller funktionierender Fans zusätzlich hätte sicher sein können. Jedoch bin ich sicher, dass eine kleine Stripeinlage bei Faith Hills "There you'll be" nur noch mit heiterem Klatschen und Springen bei Elton Johns "Candle in the Wind" an unpassender Performance zu einem Song zu toppen wäre.

Ein anderer Aspekt dieser Episode führt uns wieder einmal zur Formatüberschneidung verschiedenster RTL-Produktionen. Nachdem mit dem hampelnden Holger und der Harfe zupfenden Cornelia schon zwei Kandidaten die Mottoshowbühne besetzen, anstatt beim passenderen Supertalent um den Titel zu kämpfen, scheinen eben diese beiden - angeführt von einem mit Kai Pflaume konkurrierenden Dieter Bohlen - DSDS mit einer Kuppelshow zu verwechseln. Deshalb geizt Madame Patzlsperger nicht länger mit ihren Reizen und lässt von Kuppelkönig Bohlen auch die nicht offenkundig zur Schau getragenen Vorzüge anpreisen und der seit 10 Jahren ungeküsste Holger schwärmte solange unverblümt von seiner heißgeliebten Miriam, bis RTL sich entschied eine Art Fortsetzungsroman aus ihrem ersten Treffen zu basteln. Mit der eigentlichen Show auf der Mottoshowbühne hat das zwar nichts zu tun, medienwirksam ist es aber allemal. Zumindest Cornelia scheint durch die eigene Vermarktung positiv motiviert gewesen zu sein, denn ihr Auftritt am Samstag Abend war eine deutliche Steigerung zum letztwöchigen stimmlichen Debakel.

Über all diese Nebenschauplätze verliert man beinahe den Hauptschauplatz, nämlich die große Mottoshowbühne, aus den Augen. Doch Qualität und angenehme Zurückhaltung bei diesen "Turbulenzen" soll noch angemessene Beachtung finden. Hervorzuheben an diesem Abend sind die großen 3 der sechsten Staffel: Daniel hat wieder einen guten Auftritt gemacht und punktet mit seiner besonderen Stimmfarbe, wenngleich seine Titelwahl diese Woche nur ein Gähnen hervorrufen konnte. Sarah hat großartig gesungen und Whitney Houston, im Gegensatz zu Vanessa C. in der letzten Show, würdig vorgetragen. Allenfalls ihr Geplapper abseits der Bühne ist zu kritisieren, da sie, sobald sie zu reden beginnt, die gerade noch erzeugte diven- und damenhafte Ausstrahlung zunichte macht. Dominik hat mit seiner Interpretation von "Imagine" eine deutliche gesangliche Ablösung zu seinem großen Vorbild James Blunt geliefert und eindrucksvoll bewiesen, dass er auch Songs von anderen großen Künstlern sehr gut singen kann. Und auch im visuellen Bereich gelang es ihm einen Vergleich zu diesem konsequent auszuschließen. Zwar war die gewählte Weste sicher nicht jedermanns Geschmack, doch den Imitationsvorwurf der Jury dürfte der einstige Tellerwäscher mit diesem klugen Schachzug ein für allemal beseitigt haben.

Der spätere Rauswurf von Nachrückkandidatin Michelle dürfte niemanden überrascht haben. Auch wenn sie sich im Gegensatz zu ihrem letztwöchigen sehr schwachen Gesang steigern konnte, so war sie doch nichts anderes als ein Lückenbüßer. Daran konnte auch Dieters Frontalangriff gegen "Paradiesvogel" Benni nichts mehr ändern.

Festzuhalten bleibt, dass es neben medienwirksamen Mädchenstreitigkeiten, offen zur Schau getragenem Konkurrenzkampf und dem ein oder anderen sonstigen Ablenkungsmanöver glücklicherweise doch noch echte Talente gibt auf dieser großen Mottoshowbühne im Kölner Coloneum. Und ich für meinen Teil, freue mich schon wieder auf den nächsten Showsamstag...!


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Kommentare

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09 03 2009
#1 Luc Tonerre (Antwort)

Tja, da ist ja ein superspannender Zickenkrieg entstanden...die Kandidatin, die eh rausgeflogen wäre geht einen Tag vor der Show freiwillig, weil sie nicht die einzige ist, die ihren Rock ausziehen darf. Juhu!
Wie wär's wenn man sich bei DSDS mal wieder aufs Singen konzentrieren würde?
Auch auf Darbietungen, die eigentlich auf den Jahrmarkt gehören oder in den Musikantenstadl sollte man künfig wieder verzichten...das will doch wirklich keiner sehen.

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